Stell dir vor du verschüttest deinen Kaffee. Erste Reaktion: „Scheiße.“ Zweite Reaktion – eine Sekunde später – schlechte Laune, Anspannung, der Tag fühlt sich schon falsch an.
Jetzt dasselbe nochmal. Du verschüttest den Kaffee. Erste Reaktion: „Was ist passiert – und wie löse ich es?“ Zweite Reaktion: du holst einen Lappen, wischst auf, machst weiter.
Derselbe Moment. Zwei verschiedene Sätze. Zwei völlig verschiedene Wirklichkeiten.
Genau darum geht es wenn wir über Gedanken bewusst steuern sprechen. Nicht um positives Denken. Sondern um die Frage welche Sprache du benutzt – und was sie mit dir macht.
Wie Sprache dein Gehirn formt
Worte sind keine neutrale Beschreibung der Realität. Weil sie die Realität formen, verändern sie gleichzeitig wie du dich fühlst, wie du handelst und wie du andere wahrnimmst.
Paul Watzlawick – dessen Arbeit seit Jahren zur methodischen Grundlage der Münchner Schreibwerkstatt gehört – hat gezeigt dass wir Wirklichkeit nicht objektiv erleben. Stattdessen konstruieren wir sie aktiv – durch Sprache, durch Interpretation, durch Wiederholung.
Das gilt nach außen in Gesprächen und Beziehungen. Allerdings gilt es genauso nach innen. Die Sprache die du mit dir selbst führst ist kein Kommentar zu deinem Leben – sie ist ein Teil davon.
Wenn du dir täglich sagst „ich muss das erledigen“ – spürst du den Unterschied zu „ich will das erledigen“? Beide Sätze beschreiben dieselbe Handlung. Dennoch erzeugt einer Druck und der andere Entscheidung.
Die Wörter die dich festhalten
Es gibt eine Gruppe von Wörtern die besonders tief wirken – weil sie absolut sind und keinen Spielraum lassen.
Immer. Nie. Muss. Schuld. Falsch.
„Du machst das immer so.“ „Ich kann das nie.“ „Das ist meine Schuld.“ „Das war falsch.“
Diese Wörter schließen Türen. Außerdem machen sie aus einem Moment ein Urteil – und aus einer Situation eine unveränderliche Wahrheit.
Das Interessante dabei: Meistens stimmen sie nicht mal. Du machst es nicht immer so. Du kannst es manchmal. Es ist nicht deine Schuld allein – es ist vielleicht deine Verantwortung. Es war nicht falsch – es war ein Lernschritt.
Der Unterschied zwischen diesen Sätzen ist kein philosophischer. Vielmehr ist er ein praktischer – einer macht dich handlungsfähig, der andere nicht.
Gedanken bewusst steuern – das Werkzeug
Weil Gedanken bewusst steuern kein einmaliger Akt ist sondern ein tägliches Training, braucht es eine einfache Übung.
Beobachte einen Tag lang deine eigene Sprache – laut und im Kopf. Wie oft sagst du muss, nie, immer, Schuld, falsch? Zunächst nicht um dich zu korrigieren – erst nur um es zu sehen.
Dann ersetze diese Wörter am nächsten Tag testweise. Nicht dauerhaft, nicht perfekt. Nur als Experiment.
Aus „ich muss“ wird „ich will“ oder „ich entscheide mich“. Aus „das war falsch“ wird „das war ein Lernschritt“. Aus „nie“ wird „bisher noch nicht“. Aus „Schuld“ wird „Verantwortung“.
Schreib abends auf was du bemerkt hast. Nicht was sich verändert hat – das kommt erst nach Wochen. Sondern welche Wörter du benutzt hast und wie sie sich angefühlt haben.
Weil Schreiben das Denken sichtbar macht – und sichtbare Gedanken dadurch veränderbar werden.
Nimm dir heute Abend fünf Minuten. Schreib drei Sätze auf die du heute zu dir selbst gesagt hast. Schreib darunter wie sie klingen würden wenn du sie neu rahmst.
Wenn du das nicht alleine durcharbeiten willst – in der Münchner Schreibwerkstatt machen wir genau das. In der Gruppe, mit Anleitung, mit Werkzeugen die funktionieren. Schau unter mein-schreibseminar.de was gerade läuft.
Was als nächstes kommt
Sprache verändert wie du die Gegenwart erlebst. Allerdings gibt es ein Werkzeug das noch weiter geht – in die Zeit selbst.
Im nächsten Artikel geht es deshalb um Zeittafeln. Wie du deine eigene Geschichte sichtbar machst – und warum das einer der wirksamsten Schritte ist den du für dein Schreiben tun kannst.