Wer nichts sagt, drückt sich trotzdem aus

Bewusst kommunizieren beginnt nicht mit dem was du sagst. Es beginnt mit dem was du sendest – auch wenn du glaubst du sendest gerade gar nichts.

Ich merke es sobald ich einen Raum betrete. Nicht durch Worte. Durch etwas das schwerer zu beschreiben ist. Eine Spannung in der Luft. Zwei Menschen die nebeneinander sitzen aber nicht miteinander. Jemand der lacht aber dessen Augen nicht mitmachen. Jemand der sagt „alles gut“ – und dessen ganzer Körper das Gegenteil erzählt.

Lange dachte ich das ist normal – dass alle Menschen das so wahrnehmen. Irgendwann habe ich allerdings verstanden dass es das nicht ist.


„Man kann nicht nicht kommunizieren“

Paul Watzlawick hat diesen Satz geprägt – und er ist einer der wichtigsten die ich kenne.

Es gibt keinen Moment in dem du nichts kommunizierst. Schweigen ist eine Botschaft. Wegschauen ist eine Botschaft. Verschränkte Arme, ein zögerndes „ja“, ein Lächeln das eine Sekunde zu spät kommt – alles das sendet.

Das Problem ist dabei nicht dass wir zu viel kommunizieren. Sondern dass wir uns dessen meistens nicht bewusst sind.

Wir wählen unsere Worte sorgfältig – und vergessen allerdings dabei dass unser Tonfall, unsere Haltung, unsere Energie oft etwas völlig anderes sagen. Der Empfänger hört beides. Und wenn beides nicht übereinstimmt, glaubt er dem Körper. Nicht den Worten.


Bewusst kommunizieren – was wirklich ankommt

Stell dir vor du bist in einem Gespräch. Du bist müde, innerlich woanders, leicht gereizt. Aber du sagst die richtigen Dinge. Du bist höflich, aufmerksam, konstruktiv.

Dein Gegenüber spürt trotzdem dass etwas nicht stimmt. Er weiß nicht was. Deshalb zieht er sich ein bisschen zurück. Das Gespräch bleibt an der Oberfläche.

Das ist keine Einbildung. Das ist Biologie.

Stephen Porges – dessen Polyvagal-Theorie in der Münchner Schreibwerkstatt zur methodischen Grundlage gehört – hat gezeigt dass unser Nervensystem permanent die Umgebung scannt. Sicher oder nicht sicher. Verbindung oder Gefahr. Das passiert unterhalb der Wahrnehmung, schneller als jeder Gedanke.

Du kannst die richtigen Worte sagen. Allerdings lügt dein Nervensystem nicht – und das deines Gegenübers auch nicht.


Das Werkzeug – Kohärenz herstellen

Kohärenz bedeutet: Was du fühlst, was du sagst und wie du es sagst – werden eins.

Das ist keine Perfektion. Es ist eine Richtung.

Schritt 1: Beobachte dich in einem Gespräch. Nicht nur deine Worte – sondern deine Stimme, deine Haltung, deinen Gesichtsausdruck, deine Energie. Was sendest du wirklich?

Schritt 2: Frag dich danach: Was wollte ich ausdrücken? Was habe ich tatsächlich ausgestrahlt? Wie hat mein Gegenüber reagiert?

Schritt 3: Schreib es auf. Einen Satz pro Frage. Nicht um dich zu beurteilen – sondern um zu sehen was wirklich passiert ist.

Weil Schreiben das Denken verlangsamt – und wer langsamer denkt, kommuniziert bewusster.

Nimm dir heute Abend drei Minuten. Denk an ein Gespräch das heute nicht so gelaufen ist wie du es wolltest. Schreib auf was du gesagt hast – und was du gefühlt hast. Der Unterschied zwischen diesen beiden Dingen ist der Anfang von bewusst kommunizieren.

Wenn du das in der Gruppe üben willst – in der Münchner Schreibwerkstatt arbeiten wir genau daran. Mit Anleitung, mit Werkzeugen die funktionieren. Schau unter mein-schreibseminar.de was gerade läuft.


Was als nächstes kommt

Wenn du weißt was du sendest – kommt die nächste Frage: Was empfängt der andere? Und warum verstehen Menschen einander so oft falsch, obwohl beide das Beste wollen?

Darum geht es im nächsten Artikel.

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