Mein Vater hat mir neulich etwas mitgebracht. Einen Zeitstrahl für Geschichten des Dow Jones über die letzten Jahrzehnte. Kurse, Krisen, Wendepunkte. Alles auf einer Linie.
Ich habe ihn eine Weile angeschaut. Nicht wegen der Zahlen. Sondern wegen dem was plötzlich sichtbar wurde.
Die Einbrüche von 1929, 1987 und 2008 kannte ich aus Büchern – aber auf diesem Strahl waren es keine abstrakten Jahreszahlen mehr. Es waren Momente. Sichtbar, körperlich, real. Und daneben: die Erholung. Jedes Mal.
Das hat mich nicht an die Börse denken lassen. Es hat mich an Geschichten denken lassen.
Zeitstrahlen und Erzählungen – eine alte Verbindung
Bevor wir in der Schule Zeitstrahlen gezeichnet haben – Römer hier, Mittelalter da, Industrialisierung dort – haben Menschen schon immer versucht Zeit sichtbar zu machen.
Ägyptische Tempelwände erzählten Feldzüge chronologisch. Mittelalterliche Chroniken reihten Ereignisse Jahr für Jahr auf. Storyboards in Hollywood nehmen jeden Schnitt einer Szene vorweg.
Das Prinzip ist dabei immer dasselbe: Weil du Zeit sichtbar machst, verstehst du was passiert. Das gilt für die Börsengeschichte. Das gilt für die Weltgeschichte. Und es gilt besonders für das was die meisten unterschätzen – die eigene Geschichte die sie schreiben wollen.
Ein Zeitstrahl für Geschichten macht genau das: Er bringt das was im Kopf schwimmt auf eine Linie. Und was auf einer Linie liegt, lässt sich bearbeiten.
Warum ein Zeitstrahl für Geschichten den Unterschied macht
Ich erlebe es in der Münchner Schreibwerkstatt immer wieder.
Jemand hat eine Idee für eine Geschichte. Charaktere, Bilder, Gefühle – alles ist da. Allerdings stockt es nach zwanzig Seiten. Der Faden verliert sich. Die Geschichte dreht sich im Kreis.
Meistens liegt es nicht am Talent. Sondern daran dass die Zeit nicht stimmt.
Wann passiert was? Wie lange dauert etwas? Was kommt vor dem Wendepunkt – und was danach? Weil diese Fragen nicht beantwortet sind, spürt es der Leser. Er weiß nicht warum – aber er verliert das Interesse.
Deshalb ist ein Zeitstrahl für Geschichten eines der ersten Werkzeuge die wir einsetzen – egal ob Roman, Kurzgeschichte oder Memoir. Nicht weil er die Geschichte schreibt. Sondern weil er zeigt wo sie steht.
Was als nächstes kommt
Im nächsten Artikel zeige ich wie du deinen eigenen Zeitstrahl für deine Geschichte erstellst – konkret, praktisch, anpassbar.
Es ist eines der einfachsten Werkzeuge die wir in der Münchner Schreibwerkstatt einsetzen – und eines der wirkungsvollsten. Schau unter mein-schreibseminar.de was gerade läuft.