2018 war ich zum ersten Mal in einem Seminar meines Vaters dabei. Bedürfnisse erkennen – was ich wirklich will – das war in diesem Moment noch keine bewusste Frage für mich.
Ich saß einfach da. Hörte zu. Beobachtete. Und irgendwann während dieser Stunden habe ich gemerkt: Ich fühle mich hier wohl. Nicht ein bisschen. Richtig. Als das Seminar zu Ende war, war der Gedanke sofort da: Das ist es. Das will ich machen.
Nicht weil ich einen Businessplan hatte. Nicht weil ich ausgerechnet hatte, was ich pro Stunde verdienen würde. Sondern weil die Menschen am Ende des Tages etwas mitgenommen haben – einen Text, eine Geschichte, eine Erkenntnis. Weil sie rausgegangen sind und es sich gelohnt hat. Das war echt. Und das hat gereicht.
Warum wir so oft fremden Zielen nachjagen
Viele Menschen kommen in einem ähnlichen Moment zu uns – nicht weil sie wissen, was sie wollen, sondern weil sie merken, dass etwas nicht stimmt. Sie arbeiten viel, erreichen einiges, und trotzdem sitzt da dieses leise Unbehagen: Ist das wirklich meins?
Paul Watzlawick hat beschrieben, dass Menschen nicht auf die Wirklichkeit reagieren, sondern auf ihr Bild davon. Dieses Bild entsteht dabei nicht nur aus eigenen Erfahrungen – sondern auch aus dem, was andere uns eingeredet haben. Deshalb können wir jahrelang einem Ziel hinterherrennen, das sich irgendwann als das Ziel von jemand anderem herausstellt.
Das ist keine Schwäche. Das ist menschlich. Allerdings lässt es sich verändern – sobald man anfängt, die richtigen Fragen zu stellen.
Bedürfnisse erkennen als Grundlage jeder echten Entscheidung
Abraham Maslow hat in den 1940er-Jahren eine Hierarchie menschlicher Bedürfnisse beschrieben, die bis heute trägt. Von grundlegenden Sicherheitsbedürfnissen über soziale Zugehörigkeit bis hin zur Selbstverwirklichung. Was dabei oft übersehen wird: Nicht jedes Ziel, das wir verfolgen, antwortet auf das Bedürfnis, das wirklich drängt.
Wenn jemand unbedingt befördert werden will, kann dahinter das Bedürfnis nach Anerkennung stecken. Oder nach finanzieller Sicherheit. Oder nach Zugehörigkeit. Diese drei Antworten führen zu drei komplett unterschiedlichen Handlungsstrategien – obwohl das Ziel auf den ersten Blick dasselbe aussieht.
Deshalb ist Selbsterkenntnis keine philosophische Spielerei. Sie ist die Voraussetzung für sinnvolles Handeln.
Was das mit dem Schreiben zu tun hat
In der Münchner Schreibwerkstatt erlebe ich regelmäßig Menschen, die schreiben wollen – aber nicht genau wissen, warum. Hinter „ich will meinen Schreibstil verbessern“ steckt meistens etwas anderes: der Wunsch, gesehen zu werden. Die Sehnsucht nach einem Raum, der nur ihnen gehört. Manchmal auch der Druck, endlich etwas vorzuweisen.
Bevor wir mit einem Werkzeug arbeiten, stellen wir deshalb immer zuerst diese eine Frage: Was brauchst du wirklich?
Diese Frage klingt einfach. Sie ist es nicht. Wer sie ehrlich beantwortet, verändert damit nicht nur sein Schreiben – sondern oft seinen gesamten Umgang mit sich selbst.
Wenn du das Gefühl hast, dass du gerade an Zielen arbeitest, die sich nicht mehr richtig anfühlen, ist das ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch mit uns – bevor noch mehr Energie in die falsche Richtung fließt.
Im nächsten Artikel schauen wir uns die Maslow Bedürfnispyramide genauer an – nicht als Theorie, sondern als praktisches Orientierungswerkzeug. Denn wenn du verstehst, auf welcher Ebene deine Bedürfnisse wirklich liegen, kannst du aufhören, an den falschen Stellen zu suchen.