Geschichte strukturieren – dein Plot auf einer Linie

Wer eine Geschichte strukturieren will, braucht kein kompliziertes System. Er braucht ein Blatt Papier, einen Stift – und eine Linie.

Im letzten Artikel habe ich erzählt wie mein Vater mir einen Zeitstrahl mitgebracht hat – und wie mich nicht die Zahlen fasziniert haben, sondern was plötzlich sichtbar wurde. Muster. Wendepunkte. Die Geschichte hinter den Punkten.

Genau das machst du jetzt mit deiner eigenen Geschichte.


Geschichte strukturieren – die Grundform

Die Methode ist denkbar einfach.

Du nimmst ein Blatt Papier – am besten quer – und ziehst eine horizontale Linie. Links der Anfang deiner Geschichte. Rechts das Ende. Dann fängst du an einzutragen was passiert.

Nicht perfekt. Nicht vollständig. Nur das was du schon weißt.

Welche Szenen sind klar? Wo ist der Wendepunkt? Wo ist der tiefste Punkt deiner Hauptfigur? Weil du das aufschreibst wird es greifbar – und greifbare Gedanken lassen sich bearbeiten.


Was der Zeitstrahl sichtbar macht

Sobald du anfängst deine Geschichte zu strukturieren und sie auf einer Linie liegt, siehst du sofort was nicht stimmt.

Zu viel passiert am Anfang – und in der Mitte ist es leer. Oder der Wendepunkt kommt zu früh. Oder die Figur verändert sich nicht – sie ist am Ende dieselbe wie am Anfang.

Das sind Dinge die du im Fließtext nicht siehst. Allerdings springen sie auf der Linie sofort ins Auge.

In der Münchner Schreibwerkstatt nutzen wir dieses Werkzeug deshalb für Romane, Kurzgeschichten und Memoirs – für jede Form von Erzählung die eine zeitliche Struktur braucht. Es passt sich dem Text an, nicht umgekehrt.


Drei Fragen die dir helfen deine Geschichte zu strukturieren

Wenn du deine Linie fertig hast – oder auch mittendrin – stell dir diese drei Fragen:

Erste Frage: Wo ist der Wendepunkt? Gibt es einen Moment nach dem nichts mehr so ist wie vorher? Weil ohne Wendepunkt keine Geschichte trägt – brauchst du einen.

Zweite Frage: Verändert sich die Hauptfigur? Von links nach rechts – ist sie am Ende eine andere als am Anfang? Wenn nicht – warum nicht?

Dritte Frage: Gibt es Lücken? Stellen auf der Linie wo du nicht weißt was passiert? Markiere sie. Sie sind nicht das Problem – sie sind der nächste Schritt.


Was du jetzt tun kannst

Nimm dir dreißig Minuten. Ein Blatt Papier quer, ein Stift, deine Geschichte. Zieh die Linie und fang an.

Nicht um fertig zu werden. Sondern um zum ersten Mal wirklich zu sehen was du schreibst.

Wenn du das in der Gruppe machen willst – mit Anleitung und Werkzeugen die funktionieren – schau unter mein-schreibseminar.de was gerade läuft.


Was als nächstes kommt

Wir haben bisher viel über innere Werkzeuge gesprochen – Gedanken, Sprache, Struktur. Im nächsten Artikel geht es allerdings nach außen: wie du kommunizierst, was du dabei sendest – und warum du das nicht kontrollieren kannst so sehr du es auch versuchst.

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